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Bürgerschaftlicher Aufbruch in
eine neue pädagogische Welt

Die Forderungen nach unabhängigen und demokratischen Schulen waren im Herbst 1989 in Leipzig besonders weit verbreitet. Die Initiative Freie Pädagogik und eine für Innovationen aufgeschlossene Leipziger Schulverwaltung beförderten in kürzester Zeit und mit großem persönlichen Engagement Reformen und Schulneugründungen in staatlicher und freier Trägerschaft. Vorausgegangen waren vielfältige Elternforen in Kirchgemeinden und in christlichen Kindergärten, aber auch in manchen privaten Wohnzimmern.

 

Die Krise des DDR-Bildungssystems, der Verfall vieler Schulhäuser, die totalitäre staatliche Überwachung und Indoktrination der Schule sowie vieler Freizeitbereiche brachten immer mehr Eltern dazu, die Schulen ihrer Kinder radikal verändern zu wollen. Auch Lehrkräfte wünschten sich ein anderes Schulklima, mehr gegenseitigen Respekt und pädagogische Freiheit. Die Gruppe der Leipziger Schulgründerinnen und Schulgründer bestand aus Lehrkräften und Eltern, die mit vollem Elan und im Vertrauen auf die neuen demokratischen Verhältnisse für ihre Kinder endlich Schulen eines partnerschaftlichen, nichtautoritären Lernens schaffen wollten.

Ihr Motto war individuelles Lernen statt Kollektiverziehung. Freiheit und Verantwortung sollten an die Stelle von Ohnmacht und Anpassung treten. Ohne genau zu wissen, wie Schulgründungen in der Transformationszeit funktionieren könnten, initiierten sie mit viel Herzblut und großem persönlichen Engagement erste neue Schulen noch in den letzten Monaten der DDR. Dabei wurden sie in den letzten Monaten der DDR vom neuen Bildungsministerium in Berlin unterstützt. Ab November 1990 gab es im Schulverwaltungsamt der Stadt Leipzig eine eigene Arbeitsstelle und mit einen jährlichen Etat für Schulneugründungen in Höhe von 500.000 DM. Dies war einmalig in Deutschland.

Kartenansicht
Freie Schule Connewitz Riemannstraße 30, Am Lindenhof 6 und Alte Salzstraße 67
Freie Oberschule Gohlis Lützowstraße 8
Aktive Schule Eisenacher Str. 40a
Evangelisches Schulzentrum Schletterstraße 7
König-Albert-Gymnasium Czermaks Garten 8

In diesem Teil der Ausstellung zeigen wir, …

wie die Freie Schule
Connewitz noch vom
letzten DDR-Bildungsminister
genehmigt wurde und
weitere Freie Schulen folgten

Zum Thema

warum die Freie
Waldorfschule seit
1990 großen Wert 
auf eine eigene
Gestaltung legt
und welche reform-
pädagogischen Ideen dort
verfolgt werden

Zum Thema

wie die Nachbar-
schaftsschule NaSch
als städtische Schule
ganz eigene Wege
geht

Zum Thema

welche Besonderheiten
das Evangelische
Schulzentrum von
anderen Schulen
unterscheidet

Zum Thema

warum das christlich geprägte
König-Albert-Gymnasium als
städtische Schulneugründung nur
sieben Jahre überlebte

Zum Thema

welche Fragen Freie Schulen
und Schulneugründungen 
heute aufwerfen

Zum Thema

Die Freie Schule Connewitz –
Die erste Freie Alternativschule in der DDR

Eine Freie und demokratische Schule –
eine Person, eine Stimme

Die Leipziger Freie Schule wurde noch in den letzten Monaten der DDR gegründet. Zu ihren Grundprinzipien gehört, „dass die Schüler über ihr Lernen selbstbestimmt entscheiden, und dass sie über alle Angelegenheiten der Schule mitbestimmen können. Es gilt das Prinzip: eine Person, eine Stimme.“ Die Leipziger Freie Schule ist eine Ganztagsschule mit den Klassenstufen 1 bis 10, die altersgemischt lernen. Als Vorbild diente anfangs neben anderen Freien Alternativschulen die städtische Glockseeschule in Hannover, die keinen 45-Minuten-Takt, keine Schulglocke und kein Sitzenbleiben kennt.

Freie Schule
Filme der Schule
Glockseeschule

Heute stellt die Freie Schule Leipzig die gleichen reformpädagogischen Fragen wie früher, sucht aber eigene kreative Antworten darauf. Offener Unterricht und Demokratische Schule sind zentrale Wegmarken. Mit dem Status einer genehmigten Ersatzschule in freier Trägerschaft dürfen keine eigenen Abschlussprüfungen abgenommen werden. 

Pädagogische Leitideen der Freien Schule Connewitz:

  • Respekt und Liebe – herausfinden, wer ich sein kann
  • Ganzheitliche Entwicklung – sich emotional, intellektuell, physisch, spirituell und kreativ entfalten
  • Schule als demokratisches Gemeinwesen – wer betroffen ist, kann auch mitentscheiden
  • Lernen heißt entdecken – aktiv handelnd die Welt verstehen
  • Bildung für eine nachhaltige Entwicklung – nachhaltig lernen und leben
  • Eltern einbeziehen – als wichtige Partner im Schulleben
  • Zusammenarbeit und Vernetzung – Öffnung der Schule nach innen und außen

Pädagogische Methoden in der Freien Schule Connewitz:

  • Selbstbestimmte Arbeit an selbstgewählten Themen in Lernformen wie Spiel, in Projekten, Angeboten, Praktika, Kursen, Vorlesungen oder Selbststudium etc.
  • Akzeptanz des eigenen Lerntempos und eigener Lernstile
  • Soziales und demokratisches Lernen, Konfliktlösungen
  • Täglicher Morgenkreis
  • Wöchentliche große Schulversammlungen und Justizgremium
  • Keine Hausaufgaben
  • Keine Zensuren, stattdessen Kindergespräche, Rückmeldungen und Jahresbriefe

Gründung und Genehmigung in der sich
auflösenden DDR – ein ambitionierter Weg
mit vielen Herausforderungen

Die Gründung der Freien Schule Connewitz ging aus der Initiative Freie Pädagogik hervor. Die „Glockseegruppe“ stellten im Mai 1990 ihren Antrag auf Genehmigung im Berliner Bildungsministerium. Dabei trafen sie in allen Verwaltungsebenen auf Menschen, die sie unterstützten, aber ebenso auf solche, die sie behinderten. Kurz vor dem Schuljahresbeginn 1990 kam die Genehmigung für den Aufbau einer Schule von Klassenstufe 1 bis 10 mit der Unterschrift des letzten Bildungsministers der DDR, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer.

Beitrag „Freie Schule Leipzig soll energetisch und barrierefrei saniert werden“

Am 3. September 1990 startete in der Freien Schule Connewitz der Unterricht für 24 Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren. Vier Lehrkräfte begannen, bis dahin weithin unbekannte pädagogische Ansätze zu erproben und weiterzuentwickeln. Dafür waren neue Lernumgebungen und Lernmaterialien in kürzester Zeit in Eigeninitiative herzustellen und ein Schulgebäude einzurichten. Die Stadt Leipzig stellte Räume im ehemaligen Kindergarten Riemannstraße 30 und später ein ganzes Haus mit großem Gartengrundstück am Connewitzer Auwald (Am Lindenhof 6) bereit.

„Es war enorm motivierend, plötzlich für sich die Möglichkeit zu sehen, alles das, was man bisher an Schule miserabel gefunden hat, was man abgelehnt hat oder worunter man gelitten hat, zur Seite zu legen, zu negieren und etwas völlig anderes zu machen.“

„Die Schule hat zwei Etagen in einem alten, dunklen Wohnhaus belegt. Eine Übergangslösung. An der mächtigen Eingangstür im Hochparterre klebt ein handgeschriebener Zettel: Freie Alternative Schule Leipzig-Connewitz... Herkömmliche Vorstellungen, wie Schule zu sein hat, müssen Besucher hier vergessen. Auch wie Erziehung funktioniert. Eltern wäre ein Wandertag in diese Schule zu empfehlen…“

Zeitungsbeitrag in der Wochenpost von Claudia von Zglinicki, 17.10.1991 Fotos Ernst-Ludwig Bach, Privatarchiv

Wir waren eine Vorbildschule für den Osten -
weitere freie Alternativschulen gründen sich

Die erste und einzige Alternativschule der DDR überzeugte mit ihren pädagogischen Ansätzen viele Lehrkräfte und Eltern und wurde in den nachfolgenden Jahren zum Vorbild für weitere Freie Schulen.

Grundschule Auguste
Aktive Schule Leipzig
Freie Oberschule Gohlis

 

Kurze Zeit nach der Gründung entstanden in Leipzig zwei weitere Freie Alternativschulen, die Grundschule Auguste in der Grünen Gasse 21 B und die Freie Oberschule in der Lützowstraße 8. Auch die Aktive Schule Leipzig gehört mit genehmigter Grundschule (seit 2012) und Oberschule (seit 2019) zum Bundesverband der Freien Alternativschulen.

Die Freie Waldorfschule – Eigenschöpfung und
bewährtes reformpädagogisches Konzept

Bewährtes reformpädagogisches Konzept

Die auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurückgehende Waldorfpädagogik war in der aktiven Leipziger Christengemeinschaft schon lange vor 1989 bekannt. Die Idee einer gleichberechtigten Förderung der kognitiven, kreativen und praktischen Fähigkeiten in pädagogisch durchkonzipierten Ganztagschulen führte zum Antrag einer Gruppe von Eltern und Lehrkräften auf Einrichtung einer Waldorfschule in Leipzig. Die Schule wird von einem engagierten Elternverein getragen, der sowohl die Personal- wie auch die Finanzhoheit für die Schule innehat.

Inhaltliche Abweichungen vom sächsischen Lehrplan sowie eine autonome methodische Gestaltung des Unterrichts kennzeichnen bis heute das Konzept. Mit dem Status einer genehmigten Ersatzschule dürfen keine eigenen Abschlussprüfungen abgenommen werden. An der Waldorfschule können alle Abschlüsse erworben werden. Die Modalitäten werden durch eine eigene Prüfungsverordnung bestimmt. Zur Vorbereitung auf das Abitur wird ein 13. Schuljahr angeboten. Das Schulgeld wird nach Einkommen gestaffelt.

Zu den pädagogischen Besonderheiten im Konzept zählen:

  • langes gemeinsames Lernen (Klasse 1–13)
  • Gesamtunterricht bei einer Lehrkraft bis Klassenstufe 8
  • keine Ziffernnoten bis zu den Abschlussklassen, kein Sitzenbleiben
  • Monatsfeiern und Epochenunterricht
  • Sprachunterricht Russisch und Englisch ab Klasse 1
  • Chor, Orchester, Eurythmie, Jahresarbeiten, Theaterspiel besonders in 8. und 12. Klasse, Handarbeit, Schulgarten, Werkunterricht
  • forschendes, entdeckendes Lernen in den Naturwissenschaften
  • Landwirtschafts-, Feldmess-, Betriebs- und Sozialpraktika
  • kollegiale Schulleitung
  • spezielle Lehrkräfteaus- und fortbildung
  • weitgehende pädagogische Autonomie

Gründung durch Elterninitiativen
mit Hilfe des Runden Tisches in Leipzig

Bereits im Januar 1990 startete infolge des starken Interesses an der Waldorfpädagogik ein erstes Waldorflehrerseminar in den Räumen des Leipziger Schulverwaltungsamtes. Am 21.03.1990 beschloss der Runde Tisch Leipzig die Bereitstellung von Flächen und Gebäuden für die Initiative Waldorfpädagogik.

Im Sommer 1990 erhielt die Initiative die Genehmigung zur Einrichtung einer Freien Waldorfschule vom letzten Bildungsminister der DDR, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer. Die Leipziger Waldorfschule wurde mit großer Eigeninitiative der Lehrkräfte und Eltern bei der Ausgestaltung der Räume eröffnet. Unterstützung erhielten sie von der Marburger Waldorfschule.

„Der Vorschulkreis bereitete eine weiche Landung auf der harten Schulbank vor.“
„Unsere Bemühungen waren immer darauf gerichtet, die Einseitigkeit einer marxistisch-sozialistischen Indoktrination auszugleichen und zu überwinden.“

„Am Runden Tisch sind wir an der Gründung der Arbeitsgruppe Bildung, die zum Ausschuss Bildung wird, beteiligt…wir haben das Gefühl, als Katalysatoren zu wirken.“

Anhaltende Nachfrage
an der Waldorfpädagogik

Zeitgleich mit der ersten Leipziger Waldorfschule gingen acht weitere Waldorfschulen in anderen ostdeutschen Städten an den Start. Das Konzept der Waldorfschule Leipzig überzeugte viele Leipziger Eltern so sehr, dass in der Folge eine weitere Waldorfschule in Leipzig gegründet wurde. Im Jahr 2013 wurde diese in der Raschwitzer Straße 4 mit dem Namen „Karl-Schubert-Schule“ eröffnet.

Karl Schubert Schule Leipzig

Nachbarschaftsschule: Eine als „exotische Blume“
titulierte Schule wird zur Vorbildschule

Verschiedenheit der Fähigkeiten und Temperamente
als natürliches Lebens- und Lernprinzip

Die Nachbarschaftsschule (NaSch) verstand sich von Anfang an als eine staatliche Reformschule „auf dem Weg“. Ihr Name verweist auf ihre Nachbarn, wie die Kindergärten, die Nathanael-Kirchgemeinde, den Bürgerverein, die Kulturwerkstatt KAOS, das Obdachlosenheim, das Theater der Jungen Welt oder die Fahrradwerkstatt, die als Kooperationspartner betrachtet werden.

Nachbarschaftsschule Leipzig

Diese sollen als erweiterter Lern- und Erfahrungsraum bei der Ausprägung der unterschiedlichen Fähigkeiten von Kindern einbezogen werden. Das Konzept der Schule und die Organisationsformen eines individualisierten Lernens in sozialer Einbettung sollen sich mit dem Wachstum der Schule entfalten.

Zu den pädagogischen Besonderheiten im Konzept zählen:

  • Altersmischung in den Klassenstufen 1-3 und 4-6
  • Lernen durch Tun – Die Klassenzimmer haben einen Werkstattcharakter
  • Individuelles Lernen und Peer-Tutoring
  • Kleingruppenlernen nach Wochenplan und in Projekten
  • Morgen- und Abschlusskreis mit  „Kreis-Chef“
  • Ganztagsbetreuung bis Klasse 6
  • Notenfreie Lernerfolgsbewertung
  • Lernberichte und Lerntagebücher
  • Klassenrat wöchentlich
  • Alle duzen sich
  • Klassen mit Tiernamen
  • Schülerzeitung
  • Elternmitarbeit

Gründungsaufruf per Litfasssäule

An der Litfaßsäule am Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz) hing im November 1989 ein Zettel mit dem Aufruf zur Gründung einer Bildungsgruppe im Neuen Forum. Darunter stand der Name Katharina Marlow, unter deren Leitung daraufhin in kürzester Zeit ein Schulkonzept erarbeitet wurde. Bereits am 8. März 1990 bat die Kommission Bildung des Runden Tisches der Stadt Leipzig den stellvertretenden Bildungsminister der DDR, Volker Abend, das eingereichte Schulkonzept für die NaSch schnell zu prüfen.

Am 22.03.1990 stellte sich die Leipziger Schulgründungsinitiative der Kommission Bildung des Rundes Tisches der Stadt Leipzig mit ihrem Antrag für die Einrichtung einer innovativen Schule in staatlicher Trägerschaft vor. Die Abstimmung über den Entschluss zur Errichtung betrug bei sieben Zustimmungen, drei Enthaltungen und eine Gegenstimme. Die ab Herbst 1990 zuständigen sächsischen Schulaufsichtsbehörden genehmigten die NaSch als einen Modellversuch zunächst für ein Jahr. Dieser Status war über viele Jahre jährlich neu zu beantragen.

Im Januar 1991 wurde bereits eine Vorschulgruppe aufgenommen. Die Eröffnung der Nachbarschaftsschule fand am 26.08.1991 mit 86 Kindern in sechs altersgemischten Klassen statt. Fünf Lehrerinnen, ein Lehrer, eine Erzieherin und eine Schulleiterin richteten anfangs gemeinsam mit den Eltern die Klassenräume für das Unterrichtskonzept her. Die 44. und die 144. Schulen im gleichen Gebäude hatten zu wenige Kinder und wurden 1992 geschlossen.

Antrag an den Runden Tisch der Stadt Leipzig am 04.04.1990

„Der Runde Tisch möge die Einrichtung einer Nachbarschaftsschule in Leipzig befürworten…Die Kommission stimmt dem pädagogischen Konzept der Nachbarschaftsschule zu und begrüßt die Gründung einer solchen Schule – als Schulversuch mit wissenschaftlicher Begleitung – in Leipzig. Von der Arbeit der Nachbarschaftsschule werden nach Auffassung der Kommission Bildung und Erziehung bereichernde Impulse für den gesamten Bildungssektor der Stadt aktuell und künftig erwartet (Votum 11/1/7).“

„Staatssekretär Wolfgang Nowak vom sächsischen Kultusministerium…äußerte sich begeistert über Atmosphäre und Unterrichtsprojekte. Besonders überrascht war er über sprachliche Fähigkeiten der Kinder. Der Modellversuch…könne nach seiner Ansicht jedoch nur dann ein Erfolg werden, wenn er über die 4. Klasse hinausführe. Was ihn besonders faszinierte: Diese zumindest hierzulande neue Art der Pädagogik gibt es nicht nur in Schulen in freier Trägerschaft. „Auch das staatliche Schulwesen ist in der Lage, eigene Ideen zu entwickeln!“

Genehmigungsschreiben

„Eingerichtet waren diese Räume sozusagen mit dem Strandgut der Wendezeit: Büromöbel aus abgewickelten Instituten, Stempelkästen, Stanzbuchstaben und Schreibmaschinen von der ehemaligen DEWAG, Teppichbelag vom Messeamt, Zeichenkarton, Farben, Stifte, Buntpapier aus dem untergegangenen Pionierhaus um die Ecke, Bücher aus nicht mehr erwünschten Verlagen, Kuschelsofas, wenn auch zu Hause Tapetenwechsel sein sollte.“

Ein Beirat mit Prof. Dr. Albert Heller, Otto Herz, Wolfram Spiegel, Wolfgang Tiefensee und Christian Petry unterstützte den Aufbau der Schule. Eine wissenschaftliche Begleitung durch die Leipziger Universität kam nicht zustande.

Über bürokratische Hürden
zum Modellstatus für Gemeinschaftsschulen

Das Konzept der NaSch überzeugte und der Andrang der Eltern war groß. Um die Jahrtausendwende geriet die NaSch infolge administrativer Entscheidungen in eine schwierige Phase. Im Jahr 2020 wurde die Gemeinschaftsschule per Schulgesetz als neue sächsische Schulform eingeführt. Seitdem ist die Nachbarschaftsschule, die anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens noch als "exotische Blume" in der Schullandschaft bezeichnet wurde, zu einem Modell für weitere Gemeinschaftsschulen geworden. Zusammen mit dem Chemnitzer Schulmodell gilt die Nachbarschaftsschule seitdem als „Schule besonderer Art“.

Leipziger Zeitung „Der Stadtrat tagt“
Leipziger Zeitung „Protest der Eltern der Nachbarschaftsschule“

Etliche Entscheidungen der Leipziger Bildungsagentur zum Status der Schule und zu Personalfragen führten um die Jahrtausendwende wiederholt zu Elternprotesten. Nicht alle an die Schule abgeordneten Lehrkräfte konnten sich mit dem besonderen Konzept der Schule identifizieren.Gleichzeitig wurden erfahrene NaSch-Lehrkräfte an andere Schulen versetzt. Zudem wurde die pädagogische Leiterin und Schulgründerin nicht als Schulleiterin bestätigt und verließ daraufhin die Schule.

Ingrid Biedenkopf zur NaSch in der Festschrift von 1996:

"Dieser ganzheitliche Denkansatz, den die Nachbarschaftsschule Leipzig vermittelt, wird in unserer heutigen Gesellschaft der Funktionalisierung, Aufgabenteilung und Spezialisierung immer wichtiger und findet (…) immer mehr Zuspruch.(…) Allen, die zum Erfolg dieses Schulversuches beitragen, möchte ich ganz herzlich für ihr Engagement und ihren Idealismus danken."

 

Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee zur NaSch in der Festschrift von 2001:

„Im Mittelpunkt steht das Anliegen, die Schule als Lebens- und Erfahrungsraum für Schüler, Lehrer und Eltern zu gestalten. Richtungsweisend sind der Nachbarschaftsgedanke, das Prinzip der Integration, der Anspruch einer ökologischen Lern- und Arbeitskultur und die Impulse der Reformpädagogik.“

Daniel (12 Jahre) zu seiner NaSch:

Über seine zuvor besuchte Schule schrieb Daniel  (Name geändert, jetzt in der Kobraklasse an der NaSch): "Als Kleinster in der Klasse war es schwierig. Viele Kinder haben sich gegenseitig gehauen und geschlagen. Die Horterzieher und Lehrer haben dann meistens den Falschen beschuldigt. Überhaupt ist nichts an dieser Schule so gewesen wie an der NaSch. Ich gebe mir große Mühe, damit ich das Abitur schaffe. Hoffentlich kommen alle vernaschten Kinder gut durchs Leben." 

Das Evangelische Schulzentrum –
Ost-West-Kollegium und geistige Mitte

Ein christliches Menschenbild als geistige Mitte

Das Evangelische Schulzentrum sollte sich als erste evangelische Schule in Ostdeutschland deutlich von all dem unterscheiden, was viele Schulen bis zum Ende der DDR kennzeichnete: Kirchenfeindlichkeit, Indoktrination, Militarisierung und Lernen im Gleichschritt. Freiwilligkeit und die Bedürfnisse der Lernenden sollten stattdessen im Zentrum stehen. 

Seit der Schließung aller evangelischen Leipziger Schulen im Jahre 1919 waren mehr als 70 Jahre vergangen. Ein christliches Menschenbild als geistige Mitte einer Schule war für viele an Schule Beteiligte kaum noch vorstellbar. So benötigte die Elterninitiative für diese Schulgründung besonders viel Phantasie, Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen. Unter dem gemeinsamen Dach des evangelischen Schulzentrums wurden drei Schulformen eingerichtet.

Waren dies zunächst eine Grundschule und ein Gymnasium, folgte 1992 eine Mittelschule mit einem sozial-diakonischen Profil. Seit 1995 sind alle drei Schulen des Evangelischen Schulzentrums anerkannte Ersatzschulen mit der Berechtigung, alle Abschlussprüfungen selbst abzuhalten. Das „Hauptfach Mensch“ verbindet heute alle evangelischen Schulen in Sachsen.

Zu den pädagogischen Besonderheiten im Konzept zählen:

  • Religiöses Leben
  • Freiwillige Teilnahme an Morgenandachten und Gottesdiensten
  • Gemeinsamer evangelischer oder katholischer Religionsunterricht mit interreligiösem Dialog
  • Musisches Lernen in drei Orchestern, zwei Chören, einem Posaunenchor und einer Bigband
  • Freiarbeit nach Montessori vor allem im Grundschulbereich 
  • Morgenkreis, offene Lernformen, fächerübergreifender Unterricht
  • Ganzheitliches Lernen
  • Neue Beurteilungsformen
  • Theaterspiel als fächerverbindendes Unterrichtsfach in Klasse 8 und 10 MUK und MUM im schuleigenen Theaterhaus Schille
  • Film-AG mit fest angestelltem Medienpädagogen und Filmstudio
  • Kooperation mit den Kirchgemeinden und sozial-diakonischen Einrichtungen der Stadt
  • Ökologie- und Demokratieprojekte
  • Schülerzeitung
  • Sozial-Diakonisches Profil im Mittelschulteil ab Klasse 7 mit vier Wochenstunden
  • Gymnasialer Leistungskurs „Geist und Materie“ (GUM)
  • SCHILF: „Lehrkunst zur Sinnorientierung“ in Kooperation mit der Universität Marburg

„Ich gebe zu, für sehr viele Menschen unserer Zeit haben sich die Glaubensthemen erledigt. Aber, sind sie damit denn auch wirklich bewältigt? Oder tritt nicht vielmehr an allen Ecken und Enden die Notwendigkeit zur Grundsatzbewältigung hervor? Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Menschenwürde, Leben. Wer will bestreiten, dass diese Fragen mehr als aktuell sind?“

„Liebe Kinder,…Diese Schule hat offene Türen, sie ist unverwechselbar, hat ein ganz besonderes Gesicht. Wenn Ihr fröhlich hineingeht, hat sie eben ein fröhliches Gesicht. Und das strahlt aus auf die ganze Stadt.(…) Liebe Eltern, einen neuen Geist in die Schulen unserer Stadt einziehen zu lassen, war eine Forderung der Wendezeit. Bekanntlich weht er wo er will, also auch in dieser Schule. Schule kann nur im Miteinander gelingen. Notwendig dazu ist Begeisterung." 

 

Genehmigungsschreiben für das Evangelische Schulzentrum, Privatarchiv
Genehmigungsschreiben für das Evangelische Schulzentrum, Privatarchiv
Grußwort der Kultusministerin Stefanie Rehm, Privatarchiv

Eine Gründungsinitiative von Eltern
im Spannungsfeld divergierender Interessen

Am 24. August 1991 wurde das Evangelische Schulzentrum mit 121 Kindern und Jugendlichen und 7 Lehrkräften in der Peterskirche eröffnet. Am 6. Dezember 1991 folgte eine Feier in der Nikolaikirche. Dem Genehmigungsantrag gingen intensive Auseinandersetzungen in Elterngruppen und Kirchgemeinden voraus. In den ersten zwei Jahren war ein Elternverein der Schulträger.

Danach ging die Trägerschaft an die beiden Kirchenbezirke der Stadt Leipzig über. Die Bayerische Schulstiftung übernahm eine Auftragsverwaltung für die ersten zwei Jahre. Drei westdeutsche Landeskirchen stellten Ausfallbürgschaften bereit.

„Im Vertrauen auf den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, so schreiben Sie in der Einladung, haben Sie sich auf den Weg gemacht und heute eine wichtige Station erreicht. Möge es Ihnen gelingen, aus diesem Geist heraus die Schullandschaft Sachsens mit Ihrem Angebot nachhaltig zu bereichern.“

Liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer, die zurückliegenden Monate waren nicht einfach. Ich bin dankbar, daß Sie sich berufen ließen, Ihren Auftrag wahrzunehmen. In dieser Schule wird der Auftraggeber sicher besonders deutlich. Sie machen es möglich, daß diese Schule lebt…“

Auftakt für ein Erfolgsmodell

Von Anfang an gab es eine riesige Nachfrage seitens der Eltern und mehr als drei Bewerbungen je Schulplatz. Die Aussicht, unter dem Dach einer Schule alle in Sachsen erreichbaren Schulabschlüsse erreichen zu können, war von großer Anziehungskraft. Für viele Eltern spielte ebenso eine Rolle, dass sie und ihre Kinder endlich ohne Diskriminierung und verbale Abwertung in der Schule über religiöse Fragen sprechen konnten.

Film „Ostergruß unserer Grundschüler“
Film „Wie demokratisch ist meine Schule?“
Film der Film-AG „Show me democracy“

Inzwischen gibt es 92 evangelische Schulen in Sachsen. 15 von ihnen sind ebenfalls als Schulzentren aufgebaut. Viele der evangelischen Grundschulen orientieren sich an der Montessoripädagogik

Das König-Albert-Gymnasium –
Eine Christliche Schule in staatlicher Trägerschaft

Anknüpfen an die Traditionen
eines humanistischen Gymnasiums

Das alte Leipziger König Albert-Gymnasium (1880-1947) hatte seinen hervorragenden Ruf als humanistische Bildungseinrichtung noch lange nach seiner Schließung im Jahr1947 behalten. Die Schule war bekannt für ihre altsprachliche und historische Bildung sowie für ihre Toleranz gegenüber ihren jüdischen Schülern. Zu den früheren Absolventen der Schule zählt auch der bislang einzige Leipziger Nobelpreisträger Sir Bernhard Katz.

Die Ideen einer humanistischen und an christlichen Werten orientierten Bildung sowie Toleranz gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden sollten fortan in einem staatlichen Gymnasium eine neue Heimstatt finden. Sozialarbeit und Begabtenförderung bildeten weitere Schwerpunkte. 

„Am König-Albert-Gymnasium konnte ich Dinge verwirklichen, die sonst nicht möglich gewesen wären. Ich hatte die Hoffnung, hier etwas aufzubauen und auch an dieser Schule zu bleiben, den Schülern christlich humanitäre Ideale näherzubringen, Schülern, die das auch wollten."

"Es war mein Traum gewesen, unter solchen Bedingungen arbeiten zu können: In einer Gemeinschaft zwischen Lehrern und Schülern, einer fast schon familiärenAtmosphäre, bei der man die Schüler als Mitmenschen betrachtet, auch in Gedanken mit nach Hause nimmt und eine ganz starke innere Bindung zu ihnen aufbaut."

"Das alles war nur möglich, weil viele bewusst hergekommen sind. An einer ‘Normalschule’ kann man sich nicht so ohne weiteres als Christ einbringen und das auch täglich (z.B. in Fürbitten) leben.“

Deckseite der Schulbroschüre der Freunde und Förderer des Gymnasiums "König-Albert" e.V., o.J., Privatarchiv
Schulbroschüre der Freunde und Förderer des Gymnasiums "König-Albert" e.V., S. 1, o.J., Privatarchiv
Schulbroschüre der Freunde und Förderer des Gymnasiums "König-Albert" e.V., S. 2, o.J., Privatarchiv
Schulbroschüre der Freunde und Förderer des Gymnasiums "König-Albert" e.V.,S. 3, o.J., Privatarchiv

Gründungsimpulse
aus dem Kreis christlicher Lehrer

Im Jahr 1990 wurde der "Kreis christlicher Lehrer" im Gohliser Pfarrhaus gegründet. Diese hatten zuvor, zum Teil unter Repressalien wegen ihres christlichen Glaubens, in verschiedenen staatlichen Oberschulen in der DDR gelehrt. Sie wandten sich, getragen von einer großen Gruppe von Eltern, 1991 an das Kultusministerium in Dresden und bekamen von der Kultusministerin Stefanie Rehm (CDU) die Genehmigung für die Errichtung eines ökumenischen König-Albert-Gymnasiums in kommunaler Trägerschaft.

Geschichte des König-Albert-Gymnasium

Zu den Unterstützern zählte der katholische Bischof von Dresden-Meißen sowie die seinerzeitige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth, die die Ehrenpräsidentschaft übernahm. Das Schulgebäude in Czermaks Garten 8, füllte sich schnell mit 285 Lernenden, die von 20 Lehrkräften unterrichtet wurden.

„Ich war einer der Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Lehrer. Als mein Vater und andere ehemalige Albertiner den Wiederaufbau vorschlugen, sahen wir dies als Chance an, etwas für eine christliche Schule zu tun.“

„Dann ist es so beschlossen“ –
das Ende des König-Albert-Gymnasiums 1998

Ein konfessionelles Gymnasium in staatlicher Trägerschaft stellte eine deutschlandweite Einmaligkeit dar. Ein solches Experiment passte nur schwer in die administrativen Strukturen. Viele Bildungsverantwortliche betrachteten diese Schule als „völlig utopisch“ und „deswegen auch zum Scheitern verurteilt“. (Cornelia Pfeffig, o.J., zitiert nach Zweynert, o.J.; S. 6)

Dokument Schulgeschichte
Arbeit im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten von Daniela Zweynert

Infolge der Auswirkungen des Geburtenrückgangs in den 1990er Jahren wurden 1996 an sechs Leipziger Gymnasien, darunter auch am König-Albert-Gymnasium, keine neuen fünften Klassenstufen mehr zugelassen. Dies wurde damit begründet, dass die Räume nach den Schulbaurichtlinien nicht für eine Dreizügigkeit geeignet waren. Außerdem war der Stadt Leipzig die Führung eines christlichen Gymnasiums nicht möglich, dies wäre Aufgabe eines freien Trägers.

Das Gymnasium wurde 1998 geschlossen und die noch existierenden Klassen an die Leibnizschule überführt, wo eine dreijährige Auslaufzeit für die soziale und humanistische Ausrichtung eingeräumt wurde. (Schreiben Planungsgruppe). Gegen die vorgesehene Schließung dieses Gymnasium im Jahr 1998 protestierten die Eltern sowie die Lehrer- und Schülerschaft auf verschiedensten Ebenen.

Sie versuchten mit zahlreichen Alternativvorschlägen und Aktionen, eine Fortführung der Schule, auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu erreichen. Dies blieb jedoch erfolglos und so verkündete Oberbürgermeister Lehmann- Grube am 16.04.1997 „Dann ist es so beschlossen...“ das Ende für die Schule. (KAZ, Mai 1997).

„Die Schule mit dieser Ausprägung passte nicht in das staatliche Schema. Ich hatte den Eindruck, dass die Verantwortlichen in der Schulaufsichtsbehörde extra Lehrkräfte hinschickten, die nicht passten. Die Schule wurde personell nahezu ausgehungert.“

„Die Gründungsschulleitung wurde vom Oberschulamt nicht im Amt bestätigt.“
„Nackte nüchterne Fakten, die die Art und Weise verdeutlichen, in der das Oberschulamt mit dieser Schule umgegangen ist. Ich war selbst von 1993 bis 1998 Schülerin am König-Albert-Gymnasium und hätte mein Abitur sehr gerne an dieser Schule absolviert.“

Alternative Schulen heute
im Spannungsfeld zwischen pädagogischer Leidenschaft
und gesellschaftlicher Ungleichheit

Fünf Schulen als Impulsgeber in Leipzig

Die fünf zuvor vorgestellten Schulen entwickelten sich in ganz unterschiedlicher Weise im Laufe der Jahre weiter. Sie gaben anderen Schulen in freier und staatlicher Trägerschaft in Leipzig zahlreiche wichtige Impulse und Anregungen. Sie zeigten, wie durch persönliches und bürgerschaftliches Engagement von Lehrkräften, Eltern, Schulverwaltungen, zivilgesellschaftlichen Institutionen oder Kirchen, pädagogische Ideen in Wirklichkeit umgesetzt werden können. Die Geschichte zeigte aber ebenso, dass pädagogische Ideen auch scheitern können.

Schulen in freier Trägerschaft
als Zeichen eines demokratischen Staatswesens

Zu den großen Verdiensten der Schulen in freier Trägerschaft zählt der Glaube an eine Pädagogik der Freiheit und die Wertschätzung des eigenaktiven kindlichen Tuns. Viele Freie Schulen erproben reformpädagogische oder auch eigene neue pädagogische Wege mit spezifischen Formen des Lehrens und Lernens. Sie bieten damit vielfältige Formen individualisierten Lernens für ganz unterschiedliche Kinder und ihre verschiedenen Bedürfnisse an. Vor diesem Hintergrund erfreuen sich Schulen in freier Trägerschaft nicht nur in Leipzig, sondern in vielen Regionen in Deutschland, immer größerer Beliebtheit bei Eltern.

„Schulen in freier Trägerschaft sind ein sicheres Zeichen für ein demokratisches Staatswesen. Darum muß eine ehrliche Demokratie aus Verantwortung für das Bildungswesen ein staatliches Schulmonopol ablehnen und Schulen in freier Trägerschaft fördern und erhalten.“

De facto sind Schulen in freier Trägerschaft schon längst keine Privatschulen mehr. Sie sind öffentlich legitimiert, öffentlich zugänglich und führen zu öffentlich anerkannten Abschlüssen.

Freie Schulen als Katalysator
für sozial schwierige Schulmilieus

Die Kehrseite der Medaille der Beliebtheit von Schulen in freier Trägerschaft zeitigt aber auch unbeabsichtigte Folgen: In manchen Städten Deutschlands werden die Grundschulen in freier Trägerschaft inzwischen von mehr als einem Drittel aller Kinder der Stadt besucht.  So können sich Schulmilieus in staatlichen Grundschulen bilden, in denen vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien verbleiben und sich Lernschwierigkeiten häufen. Das demokratische Gleichheitsversprechen der Grundschule wird damit brüchig. 

Trotz beitragsfreier Plätze für sozial benachteiligte Kinder kann diese Entwicklung zu einer Kollision mit dem Grundgesetz Artikel 7 führen. Nach diesem soll durch die Einrichtung von Schulen in freier Trägerschaft „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert“ werden. 

„Die Zunahme der Zahl von Privatschulen ist aber nicht nur Inhalt schulpolitischer Debatten, sondern sie berührt auch weitergehende Fragen von sozialer Chancengleichheit. Denn Privatschulen gelten als Möglichkeiten zur sozialen Abgrenzung, und ihr Besuch kann eine Form der Distinktion fördern, die die Desintegration gesellschaftlicher Milieus vorantreibt.“

Finanzielle und rechtliche Gleichstellung
aller Schulen nach Artikel 102 als zukünftiger Weg?

Diese unbeabsichtigten Folgen des Erfolgs von Schulen in freier Trägerschaft waren so weder von den Schulgründerinnen und -gründern noch von der sächsischen Verfassung gewollt. Bei einer finanziellen Gleichstellung aller Schulen und mehr Autonomie für jede Schule, unabhängig von der Trägerschaft, könnte diese Diskrepanz zwischen den verschiedenen Lernmilieus aufgehoben werden. In Sachsen wurden durch den Gesetzgeber mit dem Artikel 102 in der Sächsischen Verfassung die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen.

„Es besteht kein Zweifel, dass Artikel 102 der Sächsischen Verfassung über die Gewährleistung der Privatschulfreiheit in Artikel 7 Abs. 4 GG hinausgeht und eine weitestgehende Gleichwertigkeit öffentlicher und privater Schulträgerschaft anstrebt.(...).Es ist  ihm (dem Landesgesetzgeber) aber bereits aus Gleichheitsgründen untersagt, eine Schulgestaltung der anderen vorzuziehen oder sie zu benachteiligen. Das gilt auch innerhalb des Angebots freier Schulträger.“

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Freie Schule Connewitz
Riemannstraße 30, Am Lindenhof 6
und Alte Salzstraße 67
Freie Oberschule Gohlis
Lützowstraße 8
Aktive Schule
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Evangelisches Schulzentrum
Schletterstraße 7
König-Albert-Gymnasium
Czermaks Garten 8